Wunschkunden statt Zufallskunden
„Im Gespräch mit Werbetexterin Marie-Luise Spieler über Emotionen, Bedürfnisse und Texte, die wirklich Resonanz erzeugen
Manchmal ist es nicht mangelnde Sichtbarkeit, oder fehlendes Know-how.
Nicht mal die falsche Strategie.
Manchmal ist es ein ganz anderer, leiser Grund, warum sich nicht die Menschen melden, die du dir wünschst.
Du sitzt da, schreibst Posts, teilst Mehrwert, gibst Einblicke, bist präsent und bekommst Nachrichten, bei denen du innerlich spürst: „Das ist nicht mein Match.“
Und gleichzeitig fragst du dich:
Warum ziehe ich nicht die Menschen an, mit denen ich wirklich arbeiten will?
Genau darüber habe ich mit meinem Interviewgast gesprochen … in meinem Format „Emotion trifft auf…“. Diesmal mit einer Frau, die Worte nicht als Deko versteht, sondern als Brücke: Marie-Luise Spieler.
Sie ist Werbetexterin, kommt ursprünglich aus dem Medienbereich, war mehrere Jahre im Vertrieb unterwegs und verbindet heute Verkaufspsychologie, Sprache und diese feinen emotionalen Ebenen, die so oft übersehen werden.
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Und wenn du lieber liest (oder beides liebst): Dann nimm dir einen Tee, mach’s dir gemütlich wir gehen jetzt rein. Nicht oberflächlich. Sondern so, dass du am Ende wirklich anders auf deine Ansprache schaust.
„Wunschkunden“ sind keine Etiketten, sie sind Charakter, Werte und Energie
Tina: Wenn jemand sagt: „Ich will Wunschkunden anziehen“, was ist aus deiner Sicht der wichtigste Schritt?
Marie-Luise:
Der wichtigste Schritt ist: Erst mal wissen, wer diese Wunschkunden wirklich sind.
Und da stoße ich immer wieder auf das gleiche Muster:
Viele beschreiben ihre Zielgruppe über Etiketten. Geschäftsführer:in, Branche, Unternehmensgröße, solche Dinge.
Tina: Das ist die klassische „Zielgruppen-Schablone“.
Marie-Luise: Genau. Und das hilft auch, denn dann weißt du, was du bei LinkedIn oder Google eintippen musst, um Menschen zu finden. Aber die viel wichtigere Frage ist:
Wie soll der Mensch sein, mit dem du arbeitest?
Welche Werte hat er?
Welche Einstellungen? Welche Art von Kommunikation?
Welche Art von Zusammenarbeit?
Denn du verbringst mit Kund:innen Zeit.
Und dann wird es entscheidend, ob das matcht.
Beim Lesen merkst du vielleicht schon: Das ist keine Marketing-Floskel. Das ist eine Beziehungsfrage.
Texte, die verkaufen, sprechen nicht nur Vorteile an.
Tina: Du bist Texterin. Was ist beim Schreiben entscheidend, wenn ich Wunschkunden erreichen will?
Marie-Luise: Du musst deine Zielgruppe so gut verstehen, dass du weißt:
Was treibt sie täglich um?
Was sind ihre Probleme?
Was hält sie nachts wach?
Und dabei kommst du automatisch in die emotionale Ebene, weil du gar nicht anders kannst. Wenn du Menschen unterstützt oder Probleme löst, musst du verstehen, was das emotional mit ihnen macht.
Tina: Hast du ein Beispiel?
Marie-Luise: Nehmen wir „Zeit“.
Viele sagen: „Mit mir sparst du drei Stunden Arbeit am Tag.“
Das ist ein äußerer Faktor.
Aber emotional ist die spannende Frage:
Was machen diese drei Stunden mit dir?
Du kannst wieder früher ins Bett.
Du kannst wieder ins Fitnessstudio.
Du kannst mit deinem Partner essen gehen, statt mit dem Kopf am Laptop einzuschlafen.
Tina: Und genau dort wird es lebendig.
Weil plötzlich nicht mehr „mehr Zeit“ verkauft wird, sondern wieder Leben.
Das ist eine entscheidende Stelle, an der viele Texte „korrekt“ sind, aber keine Resonanz erzeugen.
Sie bleiben an der Oberfläche der Vorteile hängen und berühren nicht das, was darunter liegt.
Warum es so schwer ist, „Kundenansprache“ wirklich zu treffen
Tina: Ich erlebe es oft so:
Überall hört man „Sprich die Kundensprache“. Und trotzdem finden das viele so super schwer. Warum?
Marie-Luise: Weil es nicht nur darum geht, Wörter zu übernehmen. Sondern zu verstehen, wie jemand innerlich tickt und was ihm emotional fehlt.
Und da kommen wir zu einem Tool, das du ja selbst stark nutzt: der Motivkompass von Dirk Eilert aus dem emTrace® Emotionscoaching oder der emTrace® Coachingausbildung.
Motivkompass: Vier Grund-Bedürfnisse und die heimliche Magnetwirkung in deinen Texten
Tina: Für alle, die den Motivkompass bei mir noch nicht kennenlernen konnten: Er beschreibt vier Grund-Bedürfnisfelder, die wir alle seit Geburt in uns tragen:
- Rot: Durchsetzung, Einfluss
- Blau: Sicherheit, Ordnung
- Grün: Harmonie, Geborgenheit
- Gelb: Leichtigkeit, Inspiration
Marie-Luise: Und jetzt kommt etwas, das mir selbst erst vor kurzem wirklich klar geworden ist und das hat meine eigenen Beiträge komplett verändert.
Wenn ich Beiträge schreibe und das Wording einer Zielgruppe benutze, fühlen die sich oft gar nicht angesprochen. Weil das ohnehin ihre Art zu kommunizieren ist.
Es berührt sie nicht. Es ist „normal“.
Spannend wird es dort, wo du in deinen Texten eine Emotion ansprichst, die der Zielgruppe fehlt, also ein emotionales Defizit, das sie ausgleichen will.
Tina: Das ist so ein Aha-Moment. Weil es erklärt, warum wir manchmal „die falschen“ Anfragen bekommen.
Marie-Luise: Genau. Beispiel: Wenn ich sehr leicht, humorvoll, inspirierend schreibe (viel Gelb), dann ziehen sich plötzlich sehr strukturierte Menschen (viel Blau – im gegenüberliegenden Feld) davon angezogen.
Warum?
Weil ihnen Gelb fehlt. Weil sie sich nach Leichtigkeit sehnen.
Und Menschen, die sehr harmonisch, emotional, verbindend sind (viel Grün), sehnen sich oft nach Klarheit und „Jetzt mach mal!“ (Rot – im gegenüberliegenden Feld), weil das ihr fehlendes Gegengewicht ist.
Mini-Check: Wen ziehst du gerade an und was fehlt ihnen?
An dieser Stelle im Gespräch habe ich (Tina) innerlich gedacht: „Das erklärt so viel.“
Vielleicht hilft dir dieser Mini-Check:
- Wenn du ständig sehr „strukturierte“ Kund:innen anziehst, die viel Planung, Sicherheit und klare Abläufe brauchen:
Frag dich, ob deine Texte ihnen unbewusst Stabilität versprechen – oder ob du ihnen Leichtigkeit gibst, nach der sie sich sehnen. - Wenn du viele Kund:innen anziehst, die viel Harmonie suchen, aber sich schwer abgrenzen können:
Frag dich, ob deine Worte ihnen Wärme geben, oder ob du ihnen genau den Mut versprichst, den sie sich nicht erlauben.
Und jetzt kommt die entscheidende Frage:
Willst du langfristig mit diesen Menschen arbeiten, oder ziehst du sie nur gerade an, weil dein Content ein Defizit berührt?
Wenn du dazu Klarheit haben möchtest, dann klicke auf das nächste Bild, buch dir einen Termin und lass uns sprechen.
Oder melde dich bei Marie-Luise direkt, wenn es um deine Texte geht.
DMs und Akquise: Der Icebreaker sitzt oft im Gegenfeld
Tina: Du hast im Podcast etwas gesagt, das ich so spannend fand: Man kann das auch auf DMs übertragen.
Marie-Luise: Ja. Stell dir vor, du willst eine sehr blau strukturierte Person anschreiben. Viele würden jetzt denken: „Dann schreibe ich maximal sachlich, klar, datenbasiert.“
Das funktioniert manchmal, aber es erzeugt selten echte Verbindung.
Als Icebreaker kann es viel wirkungsvoller sein, die Person mit dem anzusprechen, was ihr fehlt: ein Hauch Humor, Leichtigkeit, Menschlichkeit.
Nicht flapsig. Aber so, dass sie kurz aus dem inneren Autopilot rauskommt.
Tina: Das Bild, das wir im Gespräch hatten, war so treffend: Du öffnest eine Nachricht und statt „noch mehr Zahlen“ kommt etwas, das dich kurz atmen lässt. Das berührt. Und dann antwortest du.
Marie-Luise: Genau. Und Humor ist übrigens oft feldübergreifend wirksam, aber gerade bei sehr kontrollierten Menschen kann er eine Tür öffnen.
Wichtig: Anziehen ist nicht gleich halten
Tina: Gleichzeitig hast du etwas sehr Wichtiges ergänzt: Nur weil ich jemanden mit Leichtigkeit anziehe, heißt das nicht, dass ich in der Zusammenarbeit dauerhaft im „Witz des Tages“-Modus bleiben kann.
Marie-Luise: Ganz genau. Wenn du langfristig mit jemandem arbeiten willst, musst du seine Werte wieder bedienen.
Der Icebreaker darf ins Gegenfeld gehen, aber die Zusammenarbeit braucht das Feld, in dem die Person sich sicher fühlt.
Tina: Und das ist auch der Punkt, an dem viele sich wundern: „Am Anfang war’s so leicht – und dann wird’s zäh.“
Weil man die Person vielleicht mit einer Energie angezogen hat, die man nicht stabil halten kann – oder will.
Wie finde ich heraus, mit wem ich wirklich arbeiten will?
Tina: Wie kann ich für mich herausfinden, welche Kund:innen wirklich zu mir passen?
Marie-Luise: Ich rolle das oft von hinten auf. Denn vielen fällt es leichter zu sagen, was sie nicht wollen.
Eine meiner liebsten Fragen ist:
„Was ist für dich ein No-Go in der Zusammenarbeit?“
Was möchtest du auf keinen Fall erleben?
Welche Art von Kommunikation stresst dich?
Welche Dynamik raubt dir Energie?
Wenn du das weißt, wird es viel leichter, Wunschkund:innen zu definieren – nicht über Marketing, sondern über Beziehungsqualität.
Tina: Und das ist aus meiner Sicht ein absoluter Gamechanger.
Denn Kundengewinnung ist nicht nur Umsatz … es ist Lebenszeit.
Kurzer Einschub: Wir kategorisieren nicht … wir erkennen Präferenzen
Im Podcast haben wir an einer Stelle bewusst klargestellt: Der Motivkompass ist keine Schublade. Jeder Mensch trägt alle Felder in sich. Es geht um Präferenzen. Darum, in welchem Feld sich jemand am häufigsten bewegt.
Warum ist das wichtig?
Weil wir dadurch aufhören, Menschen „festzunageln“ auf eine Art … der ist so und so … sondern die Vielfalt sehen, die jeder mitbringt.
Im Business. In Gesprächen. In Texten. In DMs.
Warum „mehr Umsatz“ nicht automatisch Rot ist
Tina: Eine Stelle fand ich besonders stark: Du hast gesagt, wir kaufen emotional. Und plötzlich wird klar: Selbst ein scheinbar „rotes“ Ziel wie Umsatz hat oft einen grünen oder gelben Kern.
Marie-Luise: Ja.
Wenn jemand sagt „Ich will mehr Umsatz“, lohnt sich die nächste Frage:
Wofür?
Für die Familie?
Für Entlastung?
Für Urlaub?
Für Sicherheit?
Für Freiheit?
Der äußere Wunsch ist häufig nur das Transportmittel.
Die emotionale Bedeutung ist die eigentliche Kaufkraft.
Was sich verändert, wenn du deine Wunschkunden emotional triffst
Vielleicht ist das die ehrlichste Wahrheit aus dieser Episode:
Wenn du die emotionale Ebene triffst, verändert sich nicht nur deine Conversion.
Es verändert sich dein Businessgefühl.
- Du führst weniger ermüdende Gespräche.
- Du rechtfertigst dich weniger.
- Du musst weniger „überzeugen“.
- Du wirst klarer und dadurch magnetischer.
Weil du sprichst und schreibst, was Menschen wirklich bewegt.
Mein Fazit für dich
Ich habe Marie-Luise im Podcast im Spaß „liebevoller Pitbull“ genannt … weil sie nicht locker lässt, wenn Antworten zu oberflächlich sind.
Und genau das ist der Punkt:
Gute Texte entstehen nicht aus „richtigen Formulierungen“.
Gute Texte entstehen aus Wahrheit.
Aus der Bereitschaft, eine Stufe tiefer zu gehen.
Und ja: Das kann emotional sein. Weil du plötzlich merkst, was du wirklich willst.
Und was du nicht mehr willst.
Und welche Kund:innen du dir vielleicht jahrelang „schön geredet“ hast, obwohl dein Körper längst Nein gesagt hat.
👉 Podcastfolge: Emotion trifft Wunschkunden
🎧 Die Emotionslot(z)sin im Gespräch mit Marie-Luise Spieler
Teile die Folge gerne mit jemandem, der gerade selbst mit dem Thema Wunschkunden „spazieren geht“.
Ich freue mich, wenn dich unsere Worte ein wenig inspirieren konnten und spring gerne für tiefere Impulse zu allen Themen rund um Emotionen, Selbstvertrauen und deine eigene Wahrheit, in meinen Podcast.
Du findest dort natürlich auch weitere Interviews zu Themen rund um „Emotion trifft“ kannst du in meinem Podcast anhören. Abonniere gerne meinen Kanal, wenn Du keine Folge mehr verpassen willst.
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Hab eine gute Zeit, bis wir uns wiederlesen.
Bleib emotional immer in Balance.
Deine Tina


